Qualität & Standards – Prozess-Führerschein
Die Ausbildung ruht auf einem didaktischen Fundament, anerkannten europäischen Rahmenwerken und einer klaren Einordnung des Abschlusses. Diese Seite macht transparent, woran sich Module, KI-Mentor und Prüfung ausrichten.
Didaktisches Fundament
Drei bewährte Modelle tragen den Aufbau. Sie bestimmen, wie Stufen aufeinander folgen, welche Aktivitäten zu welcher Stufe passen und wie geprüft wird.
Cognitive Apprenticeship
Nach Collins, Brown und Newman verschiebt sich das Verhältnis zwischen Lehrenden und Lernenden in vier Phasen: Modeling (Expertenhandeln beobachten), Coaching (selbst handeln mit Begleitung), Scaffolding (Hilfen genau zur Lücke des nächsten Schritts) und Fading (Hilfen weichen, Eigenständigkeit wächst).
70-20-10
Nach Lominger und der CCFL entstehen rund 70 Prozent arbeitsrelevanter Kompetenz durch anspruchsvolle Aufgaben, 20 Prozent durch Lernen mit anderen, 10 Prozent durch formale Formate. Stufen 0 bis 2 liefern das formale Fundament, Stufe 3 verlagert den Lernort in die eigene Verwaltungspraxis, Stufe 4 bündelt die dort gemachten Erfahrungen im Capstone.
Constructive Alignment
Nach Biggs und Tang decken sich Lernziel, Lernaktivität und Prüfung auf demselben kognitiven Niveau. Weicht ein Element ab, wird das Modul in der Qualitätssicherung abgewiesen. Damit tragen Lernbegleitung und Leistungsnachweis dasselbe Bild von Qualität.
EU AI Act – Artikel 4 KI-Kompetenz
Die EU-Verordnung 2024/1689 verpflichtet Anbieter und Betreiber von KI-Systemen zu KI-Kompetenz. Die Akademie behandelt diese Anforderung als Mindeststandard für Lernende und Mentor.
Geltung
Artikel 4 der Verordnung gilt seit dem 2. Februar 2025. Wer KI in einer Erhebung einsetzt, muss nachweisen können, dass er die Grenzen des Werkzeugs kennt und die Verantwortung beim Menschen behält.
Bedeutung für Lernende
Die Lernenden erlernen einen kritischen Umgang mit KI in der Erhebung. Modul 1.6 führt in die Haltung ein, die übrigen Module üben sie an realen Vorgängen. Ausgaben werden geprüft, Annahmen offengelegt, Verantwortung klar der erhebenden Person zugeordnet.
Bedeutung für den KI-Mentor
Derselbe Anspruch prägt den Mentor ab Stufe 3. Er spiegelt entlang derselben Rubrik, an der am Ende geprüft wird. Heikle Fälle wie der Verdacht auf sicherheitsrelevante Vorfälle oder das unbeabsichtigte Offenlegen personenbezogener Daten Dritter werden an Menschen eskaliert.
DigComp 2.2 – Europäischer Referenzrahmen
DigComp 2.2 ist der europäische Referenzrahmen für digitale Kompetenz. Die Ausbildung greift vor allem drei Bereiche auf.
Bereich 1 · Information und Datenkompetenz
Quellen prüfen, Daten einordnen, Muster und Ausnahmen in Verwaltungsvorgängen erkennen. Grundlage jeder sauberen Erhebung.
Bereich 3 · Digitale Inhaltserstellung
BPMN-2.0-Modelle, Gesprächsdokumentation und Übergabeformate so aufbereiten, dass sie für die weitere Bearbeitung mit KI geeignet sind.
Bereich 5 · Problemlösung
Engpässe identifizieren, Ausnahmen behandeln, Schattenprozesse sichtbar machen. Die analytische Seite der Erhebung.
KI-Kompetenz im Sinne von Art. 4 EU AI Act verortet sich in DigComp 2.2 unter den Bereichen 1 und 3. Die Akademie versteht sich als praxisnahe Übersetzung dieser beiden Rahmenwerke in den Verwaltungskontext.
Datenschutz & Neutralität
Die Erhebung im Verwaltungskontext ist eine hoheitliche Tätigkeit. Datenschutz und Neutralität werden durchgängig mitgedacht.
DSGVO im Erhebungskontext
Erhebungen greifen auf die einschlägigen Rechtsgrundlagen der DSGVO zurück. Soweit in Gesprächen oder Dokumenten personenbezogene Daten Dritter anfallen, erfolgt die Verarbeitung nach diesen Regeln.
Pseudonymisierung
Soweit personenbezogene Daten anfallen, werden sie pseudonymisiert. Klarnamen stehen nur an den Stellen, an denen sie für die Weiterbearbeitung nötig sind, und nur dort.
Kein Tracking durch Dritte
Die Akademie verzichtet auf Drittanbieter-Tracking, eingebettete Schriftarten, Analysedienste und Social-Media-Plugins. Es werden keine Ressourcen eingebunden, die Rückschlüsse auf das Verhalten einzelner Nutzerinnen und Nutzer erlauben.
Fortschritt nur lokal
Der Lernfortschritt wird ausschließlich im Browser gespeichert. Es findet keine Übertragung an Server statt, keine Account-Pflicht, keine Synchronisation über Geräte hinweg. Wer den Browsercache löscht, beginnt beim nächsten Besuch bei null.
Einordnung des Abschlusses
Der Abschluss erfolgt als interner Befähigungsnachweis im Sinne einer internen Weiterbildung. Er dokumentiert die erworbene Handlungskompetenz entlang der fünf Stufen.
Was der Abschluss ist
Ein interner Befähigungsnachweis, ausgestellt durch die Personalentwicklung der entsendenden Stelle oder durch den Prozess-Führerschein selbst. Die Vorlage entsteht in B-AP-7.3 unter 05_zertifikat/befaehigungsnachweis-vorlage.md.
Was der Abschluss ausdrücklich nicht ist
Der Abschluss steht außerhalb staatlich anerkannter Abschlüsse und Berufszulassungen. Er ist auch kein Zertifikat im Sinne eines öffentlich-rechtlichen Qualifikationsnachweises. Wer den Prozess-Führerschein nutzt, entscheidet selbst, in welchem Rahmen die Person eingesetzt wird.